„Epigenetik-Formel bei Neurodiversität“ oder „AD(H)S-Therapie neu gedacht“

Eine essentielle Darstellung, die bedarfs-gerechter Therapie planen lässt?

1. Was, wenn im ganzen neurodiversen Spektrum die Gene weniger Bedeutung haben, als wir denken?

Lucia Aronia, Professorin für Epigenetik beschreibt in ihren Podcast und zuletzt im Podcast von Mel Robbins, dass bei den meisten Erkrankungen, die wir kennen, die Gene einen Stellenwert von ca 25% darstellen, d.h. eine gewisse Tendenz vorspuren. So geht auch ADHS-Spezialisten wie Gabor Mate oder Barkley von diesen Zahlen aus. Das heisst für das neurodiverse Spektrum, dass die ca 55 Gene bei HSP, die ca 76 Gene bei ADHS und die ca 88 Gene beim ASS-Spektrum eine erhöhte Stressresponse und eine erhöhte Volatilität in der Gefühls- und Denkregulation vorbahnen. Innerhalb des neurodiversen Spektrums sind nicht nur 2/3 der Gene identisch, damit sind auch die Symptome, die in den Abklärungen erhoben werden, weit weniger spezifisch, also weit weniger klare Unterscheidungshilfen in der Diagnostik.

>>> Die Gene reichen NICHT für ein sichtbares, im Alltag auffälliges Syndrom wie AD(H)S, ASS oder PDA !

2. Burnout bei AD(H)S. ASS und PDA und Schulabsentismus – häufig übersehen, kaum je behandelt

Die oben erwähnten AD(H)S-Forschen beschreiben denn auch, dass ein Mensch mit der Hirn-Variation AD(H)S ein «Ferrari-Gehirn mit der Bremsfähigkeit eines Fahrrades» darstellt. Die Verbesserung der Kühlung, Brems- oder Regulierfähigkeit stellt somit eine Basisbehandlung dar. Manche reduzieren AD(H)S biochemisch sogar auf ein reines GABA-Defizit.

Die Realität ist etwas komplexer: Die Stress-, Chronifizierungs- und Longevity-Forschung zeigen gemeinsam, dass Chronifizierung mit klar biologischen Grundvoraussetzungen zusammenhängen. Wenn diese grundregulierenden Gesundheitsfaktoren wegfallen, dann läuft die Steuerung auf verschiedenen Ebenen aus dem Ruder.

Anerkannt sind dabei: Schlaf, Bewegung, Kohlenhydrat-reduzierte Ernährung, Sexualhormone und die Mikrobiome

Seit 35 Jahren behandle ich immer erst diesen biologischen Burnout-Anteil, in einem Protokoll über 4-5 Wochen, ob bei chronischen Schmerzen, dem Neurodiversen Spektrum, Angst/Depressionen, Psychose und Trauma.

>>> Solange Gehirn und Mikrobiom nicht genährt und gestärkt sind, ist das Gehirn nicht steuer-, nicht lern- und nicht therapiefähig.

Die Forschung hat gerade im Bereiche des Mikrobioms unglaublich wichtige Erkenntnisse geliefert. Einer der führenden Forscher in Bezug auf die Darm-Hirn-Achse, Prof. Marco Ruggiero (Neuroimmunologe) konnte nicht nur als erster Forscher weltweit zeigen, dass sogar das Gehirn ein Mikrobiom hat, sondern dieses mit dem Darm via  T-Lymphozyten Probiotika zwischen Darm und Hirn transferiert. Er zeigte in seiner Forschung auch auf. Dass wir Menschen unter den 1000+ Probiotika-Stämmen im Darm 22 Hirn-relevante Stämme haben sollten. Wenn die Gene beim neurodiversen Spektrum ein Serotonin- und Dopamin-Defizit von 20% verantworten, so liefern die 22 Bakterienstämme dem Gehirn u.a. dauernd 60% Serotonin und Dopamin. Diese Stämme sind also bei ADHS, Depressionen, Angst und Trauma gewichtiger als alle Psychopharmaka. So hat er aufgrund seiner Forschung eine Joghurt-Kultur zusammengestellt, wo Betroffene gezielt ihr eigenes Therapiejoghurt zu Hause herstellen. (Gesundheit gehört in die Hände der Menschen)

(Die Forschung von Prof. Marco Ruggiero finden sie auf der Webseite bravo-europe.com)

3. Traumatisierung im sozialen Milieu/Schule

Die genetische Veranlagung im neurodiversen Spektrum konstruiert ein Gehirn mit einer erhöhten Stressresponse. Diese gehirnvarianten interpretieren die Aussenwelt aber oft auch greller und lauter, damit als bedrängender und bedrohlicher. Dies ist ein neurobiologischer Faktor, dass neurodiverse Menschen ausgeprägtere Schutz- und Vermeidungsmuster generieren und lernen. Da sie Stress und Lernen anders regulieren, fallen sie auch häufiger auf und werden diesbezüglicher auch häufiger korrigiert. Sie werden nie gefragt, wie würdest Du jetzt an dieses Problem herangehen? – Sie bekommen i.R. gesagt, dass ihr Lösungsweg nicht passt oder unerwünscht ist. Je jünger, desto häufiger interpretiert das Kind dieses Feedback als «Ich als ganzes bin falsch» – und damit beginnt das Versteck- Scham und Schuldspiel.

Die Muster und Traumas nähren den Stress und damit das Burnout – das Burnout macht die Muster und Traumas unsteuerbar.

>>> Erst nachdem das Burnout stabilisiert ist, kann Neu-Lernen, Umlernen und Entwickeln stattfinden. Wir schicken Kinder, Jugendliche und Erwachsene aber in der Regel mit «neurologisch platten Reifen» in die Therapie oder Heilpädagogik.

Fazit:

Die aktuelle Hirn- und Lernforschung zeigt, dass der Schweregrad eines Syndroms im neurodiversen Spektrum nicht mit dem Genen zu tun hat, sondern mit dem Schweregrad der ERWORBENEN BURNOUTFAKTOREN. Das Milieu ist dann der gegenwärtige Faktor, der Trauma und Burnout verstärkt oder abfedern hilft.

Ich werde in den nächsten Wochen in weiteren LinkedIN- und Blogartikeln, in Youtube-Videos und vertieft in Gruppenkursen auf diese Themen eingehen:

Das zentrale Ziel von HU-MO ist immer:

Die Menschen wieder befähigen, Ihre Gesundheit und ihre Selbstentfaltung (Flourishing) selbst zu managen. Sie können das, wenn sie das Wissen dazu bekommen.

Für Dein Feedback zur Brauchbarkeit einer solchen Formel bin ich sehr dankbar; sie entspricht meinem aktuellen Forschungsstand aus 35 Jahren Psychiatrie und Stressmedizin, beobachtet an ca. 9-10’000 PatientInnen.

Kostenfreies Gespräch buchen